Eid einer konvertierten Teil 2

16.10.13 Morgens um 4 Uhr weckt mich der Ruf des Muizziens. „Allahu akbar Allahu akbar…“ Dieses wunderschöne Geräusch geht noch mindestens eine halbe Stunde so weiter. Ich bin lange wach bevor die anderen sich wundern was dieser Araber dort über’s Mikrofon singt. Wir haben alle die Nacht in dem Elternschlafzimmer verbracht – Änky, Sleepy die beiden älteren Töchter von S. und ich. Es dauert ewig bis alle geduscht, geschminkt, gestriegelt und gestylt sind. Der Tradition gemäß kriegen die Kinder neue Kleider geschenkt. Da wir in diesem Land im Prinzip als Waisen gelten (wir armen, allein in einem fremden Land ohne Eltern) gibt es auch eine halbe Stunde in denen die Mädels, Kleider an Änky und Sleepy zu verschenken versuchen. Ich finde das ganze zum piepen, denn die meisten dieser Kleider sind entweder mit Pailletten besetzt oder 3 Nummern zu klein. Ich bin besonders begeistert weil ich nichts anprobieren muss. „Glitzerjacke, Glitzerjacke!“, lautet mein neuer Schlachtruf. Es werden Fotos gemacht und während ich warte bis die Mädels fertig sind, schaltet der Ehemann von S. Hajj TV an und wir sehen die Pilger in Mekka. S. sagt zu mir wir gehen auf einen kleinen Familienbesuch – KLEIN!  Als Bisu(4), S., ihr Mann und ihr Sohn zum Auto gehen, sehe ich Sleepy und Änky das letzte mal an diesem Tag. Wir besuchen insgesamt 4 Häuser von Verwandten. Immer das gleiche Spiel, der gleiche Ablauf: Begrüßung mit Küsschen links und rechts, „Qul am w inte bkheir“ (ein schönes Fest), dann wird sich gesetzt, immer mindestens 20-30 Leute. Die Kinder reichen Nüsse, Früchte, Schokolade und Getränke für die Neuankömmlinge. Ich möchte hier kurz einbringen das mein Arabisch keines Weges fließend ist, nicht dass das nötig wäre, man versteht in jeder Sprache wenn über einen geredet wird, aber ich kann durchaus Zusammenhänge heraushören. Jedes mal wenn wir ankommen stellt mich S. vor und erzählt meine halbe Lebensgeschichte und am Ende kommt ein „Haram…“ (Für die Nicht-Araber muss ich hier kurz ausholen, haram heißt eigentlich Sünde auf arabisch, allerdings wird es im palästinensischen und auch im libanesischen Sprachgebrauch als eine Art Mitleidsbekundung genutzt. Als Beispiel: „Haram, sie hat keine Familie mit der sie Eid verbringen kann.“) Ich fühle mich mal wieder wie ein im Zoo ausgestelltes 3 Äugiges lila Zebra. Im letzten Haus gibt es dann im Hof einen Stuhlkreis mit den wahrscheinlich ältesten Arabern der Welt. Ihre Gesichter sind wettergegerbt und sie sind wortkarg. Mir wird ein Stuhl angeboten und ich fühle mich sehr geehrt, denn ich weiß es ist ein Zeichen des Respekt. Die Jüngeren stehen und ich werde in das Haus gerufen, ausgefragt und vorgeführt. Ich bin teilweise amüsiert aber größtenteils beschämt, denn was ist an mir schon so besonderes. Sie ziehen mich in die Küche wo die Frauen das Fleisch für die armen klein schneiden und wiegen. Ich werde auf eine Schüssel am Boden hingewiesen. Ein Haufen blutiger Innereien. Ihhh!!! Über meine Reaktion lachen sich die erfahrenen Hausfrauen halb kaputt. Im Wohnzimmer bildet sich eine kleine Gruppe die unbedingt hören will wie ich die Al-Fatiha (das erste Kapitel des Koran –  7 kurze Verse) rezitiere. Mein Gesicht wird so heiß das man Spiegelei darauf braten könnte, zum Glück ist meine Haut dunkel sonst würd ich rot werden wie eine Tomate. Ich tue ihnen den Gefallen, und versuche dann mich so schnell wie möglich zurück zu dem Kreis der 100-Jährigen zurück zu stehlen. Das geht nicht ohne das mich ein paar Omas und Tanten mit tränenden Augen an sich drücken. Sie haben noch nie einen Konvertierten getroffen, geschweige den einen Nicht-Araber der den Koran rezitiert. Ich bin gerührt und eile zurück zu meinem Stuhl wo Bisu auf mich wartet. Wir albern rum und ich weigere mich strickt aufzustehen und ignoriere gekonnt jedes Gespräch was über mich zu gehen scheint. Sie scheint mich ins Herz geschlossen zu haben. Irgendwann kommt ein Transporter an um das Fleisch an die Armen Familien im Dorf zu verteilen. S. stellt mir einen weiteren ihrer Brüder vor (der gefühlt 10te Bruder des Tages). Er heißt Ali und ist Zahnarzt, behauptet sie jedenfalls, ich höre sie kaum, denn ich bin abgelenkt von seinem blutverschmiertem Hemd und den klebrig, roten Händen. Meine Begrüßung fällt dementsprechend zurückhaltend aus. Er ist anscheinend zudem der Schlachter. Bisu zieht mich von Ponsus zu Pilates während ich aus dem Augenwinkel sehe wie 50 Portionen à 4kg Fleisch in Tüten gepackt, und in den Transporter gepackt werden. Diese werden dann den Familienvätern ausgeteilt. Der Alptraum-Horror-Zahnarzt wie ich ihn gerne nenne erklärt mir was nun mit dem Fleisch passiert und warum Religionsunterricht für die 3. Klasse (sie nehmen an das ich nicht in diese Religion hineingeboren wurde und mir die Traditionen, Gesetze und Glaubensgrundsätze undurchsichtig bleiben). Ich finde es süß wie viel Mühe sich alle mit mir geben. Nach der kleinen Lektion wird…Überraschung Überraschung… wieder einmal gegessen!   

Eid ul Adha einer Konvertierten Teil 1

16.10.13 Gestern war der 1. Tag von Eid ul Adha. Für alle die nicht wissen was das ist, hier eine kleine Erklärung: Eins der beiden großen Feste der Muslime. Am Ende der jährlichen Pilgerzeit (bei uns sagt man auch gerne wenn die Araber auf den Berg steigen). Das Fest wird auch Opferfest genannt und gedenkt die Bereitschaft des Propheten Abrahams (der Friede sei auf ihm) der bereit war, seinen bis dato einzigen Sohn zu opfern, seine Frau in der Wüste zurückzulassen und ins Ungewisse hinaus zu ziehen um Gottes Wille zu folgen. Der Tag wird gefeiert indem ein Tier geschlachtet und das Fleisch an die Armen verteilt wird.
Ich war den ganzen Tag und den Abend zuvor bei S. einer meiner Arbeitskolleginnen. Sie hatte Sleepy Änky und mich eingeladen. Wir hatten alle 3 Spätschicht und sie hat uns mit ihrem Minivan und ihren beiden ältesten Töchtern (17 und 19), abgeholt. Wir fuhren in ein Dorf namens Iblin. S.’s englisch ist mit das beste unter den Pflegerinnen und sie plappert die ganze Fahrt durch. Sie erzählt und das in Iblin die Hälfte der Einwohner Christen sind und die andere Hälfte Muslime. Das dort auch Polen und Ukranier wohnen und das sich dort Israel’s größtes Schlachthaus nur für Schweine befindet. Wir lachen uns dumm und dämlich das es in einem Land wie Israel überhaupt ein Schweineschlachthaus gibt (das S. das Wort für Schwein nicht einfällt und sie stattdessen grunzt, trägt zur heiteren Stimmung bei). Als wir in ihre Straße einbiegen, fährt vor uns ein Pick Up mit einer riesigen Musikanlage, Lichterketten und spielt den speziellen Ruf des Muizziens (es gibt zu den muslimischen Festen extra Festgebete, zu denen mit einem anderen Ruf gerufen wird, als bei den täglichen 5 Pflichtgebeten). Nach der Ankunft im Haus und der Vorstellungsrunde – S. hat noch 3 weitere Kinder einen Jungen (13) und zwei jüngere Mädchen (11 und 4) – wird erstmal GEGESSEN! Jedes mal aufs neue sage ich Änky sie soll bei solchen Einladungen
1. vorher nichts essen und
2. keine Jeans anziehen.
Sie kennt das Spiel bereits, wir werden vollgestopft, als hätten wir seit unserer Ankunft in diesem Land nur Brot und Wasser gegessen. Das Geheule nach dem Essen ist immer groß und wir haben es uns zur Tradition gemacht einmal kurz nach dem Essen „They see me rollin'“ anzustimmen. Ich frage nach einem Gebetsteppich und Bisu, S.’s jüngste Tochter(4), besteht darauf ihn mir höchstpersönlich zu holen. Und während des ganzen Gebet geduldig und ruhig neben mir zu sitzen und mich zu beobachten. Das überrascht mich den Bisu ist mindestens – wenn nicht doppelt – so frech wie ihre Mutter und ein wahrer Wirbelwind. Ich albere den ganzen Abend mit ihr rum, aber als es zum Gebet kommt ist sie so absolut still. Es wärmt mir das Herz wie eine unschuldige Kinderseele so beeindruckt vom Gebet sein kann. Obwohl ich vermute das sie das nicht allzu oft zu sehen bekommt, berührt es mich das sie ein richtiges Gefühl für die Wichtigkeit dieser Handlung hat.

11.10.13

Gestern waren Änky und ich
zum zweiten mal in Tamra, eins der größeren Dörfer. Direkt nach der Frühschicht, die bis um 2 Uhr geht, fährt uns Ah. mit ihrem Auto zu ihr nach Hause. Wir machen noch einen kurzen Zwischenstopp damit sie uns – wie es arabische Mütter nun mal tun – voll stopfen kann mit Humus und Hähnchen. Ah. hat 3 Töchter (zwischen 13 und 19) und einen Sohn (23), des weiteren wohnt noch ihre Nichte bei ihr, was beim ersten Besuch bei einigen für Verwirrung gesorgt hat.

Nachdem wir voll gefressen und müde vom Aufstehen um halb 5 komplett erschöpft bei Ah. zu Hause ankommen, schlägt sie uns vor, uns doch erstmal etwas hinzulegen, da wir ja noch einen langen Abend vor uns hätten. Ähmmm langer Abend? Bei solchen Besuchen weiß man nie vorher was einen erwartet (abgesehen vom Essen). Wir lassen uns das jedenfalls nicht zwei mal sagen und legen uns in die Betten der Mädchen, inkl. Highschool Musical Bettwäsche und pennen erstmal eine Runde. Nachdem wir endlich wieder wach werden, lasse ich mir von Ah. den Gebetsteppich geben.

Es dämmert bereits als wir mit der gesamten Familie auf eine Art politische Veranstaltung gehen. Die Mädchen haben beschriftete T-shirts und Fahnen vorbereitet. Worum es bei dieser Sache geht werden wir nie erfahren, denn so gut ist das Englisch der Familie nicht, und ihr Erklärungswille schon mal gar nicht. Es versammelt sich das halbe Dorf auf einem großen Fußballplatz. So etwas habe ich noch nie gesehen. Wer sich jetzt eine deutsche Kundgebung vorstellt liegt weit daneben. Es gibt eine Bühne auf der hitzige Reden gehalten werden, Fahnen werden geschwenkt, gesungen und geklatscht. Da wir anscheinend zu spät waren, durften wir uns einmal komplett durch die Männerseite kämpfen. Uns werden Plastikstühle angeboten, und um uns herum haben sogar die Babys die roten T-shirts an. Wir verbringen etwa eine Stunde dort. Als wir wieder gehen lassen wir die Mädels bei ihren Verwandten die uns die ganze Zeit neugierig ausgefragt haben. Zum Glück war es so laut das wir die Hälfte der Fragen nicht verstanden haben. Ah. fährt mit uns erst einmal zu McDonalds. Wir setzen uns rein und obwohl ich mir sicher bin dass das Fleisch hier (islamisch geschlachtet) ist, gönn ich mir nur eine Pommes und ein Eis da ich noch satt bin von vorhin. Nachdem wir wieder in dem Haus ankommen setzen wir uns auf die Terrasse und Ah. holt ihr Handy heraus. Sie beginnt nun mit Hilfe ihrer Übersetzungsapp uns ihr Herz auszuschütten. Sie ist Witwe. Sie will das ihre Kinder die Welt haben können, und arbeitet dafür so viel sie kann. Dadurch hat sie wiederum das Gefühl viel von ihrer Kindheit zu verpassen. Sie erklärt das ihr Mann alles für die Familie gegeben hat, doch nun sei er nicht mehr da. Sie befürchtet das ihre Mädchen nicht verstehen wie schwer sie arbeitet. Änky und ich heulen abwechselnd. Ihre Erschwernisse erinnern mich an meine Mutter. Die immer gearbeitet hat und alleine erzogen hat, sie hat sich immer Mühe gegeben und es hat uns nie an etwas gefehlt. Mein Held meine Mama.

Leider ergab sich keine gute Gelegenheit Ah. zu knuddeln da die Mädchen dann wieder kamen. Ich hab ein schlechtes Gewissen das Änky, Sleepy und ich den bald ansehenden Eid-ul-Adha (einer der beiden hohen islamischen Feiertage) in einem anderen Dorf namens Iblin zu verbringen. Ah. bittet uns doch bei ihr zu bleiben zu dem Fest. Was dem schlechten Gewissen nicht hilft ist, das wir die Nacht im Schlafzimmer von Ah. verbringen. Wir schlafen in dem bequemen Doppelbett während sie auf der Couch schläft. Um 10:20 Uhr wird ein ausgiebiges Frühstück serviert und wir kommen uns vor wie Schmarotzer. Ah. freut sich das sie uns betütteln kann. Wir nehmen gegen 12 den letzten Bus aus Tamra (in Israel fahren Freitags nur bedingt Busse, auch in den arabischen Dörfern) nach Hause. Als wir ankommen werden uns von den anderen Mitbewohner zweierlei mitgeteilt: Die Halterung, an der die Dusche festgemacht ist, ist aus der Wand gebrochen und der Strom ist aus obwohl die Sicherungen alle drin sind. Ja nee ist klar..

Haifa, Haifa

10.10.13

Wir sind jetzt seit einem Monat hier. Haben uns gut eingelebt in den großem Altbau in Hadar dem Araberbezirk von Haifa. Hadar is laut dreckig und ganz nach meinem Geschmack! Als wir mitten in der Nacht hier ankamen hatten einige Mädels doch schon Sorgenfalten im Gesicht, den mit den vielen leer stehenden Häusern und den zwielichtigen Ecken wirkt es Nachts ein wenig gruselig. Wer schonmal mitten in der Nacht im tiefsten Wedding war weiß was ich meine. Alle nennen ihn so den „Araberbezirk“ aber in Wahrheit wohnt hier alles. Orthodoxe Juden, umgesiedelte Russen, christliche Araber und gefühlte 10000 Taxifahrer die schon mal in Deutschland gelebt haben. Jedes mal wenn wir in ein Taxi steigen müssen wir erzählen aus welchen Städten wir genau kommen. Alles lebt hier friedlich nebeneinander. Der Reiseführer nennt Haifa das Thermometer Israels, da an den Unis hier Muslime und Juden enger miteinander Kontakt haben als im getrennten Jerusalem oder im ultramodernen Tel Aviv. So merkt man hier zuerst wenn ein Konflikt sich anbahnt. In unserem Miethaus haben wir eine muslimische Studentin, einen russischen Geschäftsmann und zwei liebe jüdische Männer mittleren Alters mit ihrer ungefähr 100 Jahre alten Mutter. Woher ich das so genau weiß? In dem einem Monat hier haben wir bereits alle – mindestens einmal – in der Wohnung gehabt, wer jetzt denkt, dass das an der typischen nah östlichen Gastfreundschaft liegt die uns angsteckt hat, der irrt. Es lag eher an der typischen nah östlichen Baukunst, die uns Stromausfälle, Wasserschäden und herausspringende Leitungen bescherrt hat. Unsere Nachbarn waren allerdings wirklich alle sehr freundlich und hilfsbereit, sodass wir nun öfters auf dem nur 2 Minuten entfernten berühmten Lebensmittelnmarkt nett grüßen und Fragen über den Zustand unserer Wohnung beantworten. Auch der bei Problemen schnell herbei eilende Hausmeister winkt immer nett von seinem 2. Arbeitsplatz (Fischverkaufsstand) herüber. Obwohl alle hier sehr nett sind und auch immer gleich ein Gespräch anfangen wollen auf dem Markt, habe ich mich an das Anstarren bei weitem noch nicht gewöhnt. Ich bin mir nicht ganz sicher ob es daran liegt, dass die Menschen hier noch nie einen nicht arabisch sprechenden Muslim gesehen haben und die deutschen Unterhaltungen mit meinen Mitbewohnern oder Mitfreiwilligen als äußerst ungewöhnlich wahrnehmen, oder ob es daran liegt das ich mit meiner Abaya (muslimisches langärmiges Kleid) doch sehr aus den Massen an Leggings und Glitzer Tops der meisten arabischen Frauen, heraussteche. Aber solange es nur bei Blicken bleibt und keiner mit Steinen wirft (wie von vielen libanesischen Freundinnen befürchtet), bin ich zufrieden und ertrage es.

Meinen Arbeitsplatz, ein Heim für körperlich und geistige Behinderte in verschiedenen Abstufungen von sehr schwer wie in dem mir zugeteilten „Appartment“ oder eher mittel wie z.B. bei Änky (eine meiner 4 Mitbewohnerinnen) ist etwa 40 Minuten mit dem Bus entfernt. So fahren alos fast jeden Morgen Änky, Sleepy und der Randberliner Nick um 5:30 morgens zur Arbeit. Ich mag die 3 echt, was für ein Glück ist es, denn wir haben außer dem noch einmal die Woche hebräisch Unterricht zusammen. Nick treibt mich zwar ab und zu auf dem Nachhauseweg in den Wahnsinn (morgens bin ich viel zu müde um meine Umwelt zu bemerken) aber er ist ein witziger Kerl. Da wir alle solch liebenswerte aber leider ganz arme Leutchen sind, hat die halbe Belegschaft es sich zur Aufgabe gemacht uns mit allem zu beschenken was sich finden lässt. Wir sind so „arm“ weil in Israel jedes Kind was nur im entferntesten von seiner Mutter getrennt ist hilfsbedürftig ist (trotz unseres Alters) und weil der Regelsatz den wir von unserer Organisation bekommen (Fahrtgeld, Essensgeld und Taschengeld) für die Mitarbeiter anscheinend ein Hungerlohn darstellt, obwohl sie selbst mit dem weit unterbezahlten Pflegeberuf meist Familien zu versorgen haben. Uns wird also alles von Joghurt über Schuhe bis zu Winterjacken geschenkt was wir tragen können. Da wir uns anscheinend allseits beliebt gemacht haben werden wir nun fast jedes Wochenende von irgendjemanden, meist Pflegerinnen aus meinem „Appartment“ zu sich ins Dorf eingeladen und lernen dort Familien kennen. Ich sage Pflegerinnen aber keiner dieser Frauen hat eine Ausbildung oder wurde in einer Form „angelernt“. Das Motto ist hier „learning by doing“. Der Pflegeberuf in Israel ist etwa auf derselben Stufe wie Gebäudereinigung. Wer also nichts wird, wird nicht Wirt, sondern kümmert sich um kranke hilfsbedürftige Menschen. Klingt nach einer guten Idee. Dementsprechend hoch ist die Professionalität. Die meisten von ihnen brauchen einfach das Geld, und wollten nie mit behinderten Menschen arbeiten, dementsprechend hoch ist die Motivation. Trotzdem sind diese Frauen von Anfang an sehr herzlich uns gegenüber gewesen. Die neuen deutschen Ziehkinder werden also stolz herum gezeigt von den Kindern bis zur Omi dürfen alle mal staunen, über das Mädchen mit dem blonden Haar (inklusive Sidecut) und Tunnel in den Ohren, und der Muslima die kaum Arabisch spricht. Wir werden voll-gestopft mit dem besten was die palästinensischen Küche zu bieten hat, und werden mit den umliegenden arabischen Dörfer von Haifa bekannt gemacht.

Der Weg zur Wahrheit

Salam und Hallo,

wie einige von euch wissen bin ich zurzeit wieder in Deutschland (für die jendigen die es nicht wussten, …tada). Ich bin kein Fan der großen Ankündigungen deswegen hab ich nur einigen, wenigen Leuten die nachgefragt haben Bescheid gegeben. Ich bin seit ca. 2 Wochen wieder hier und werde nicht nach Ghana zurückkehren. Ich habe meinen Vertrag aus persönlichen Gründen gekündigt. Ich will und werde darauf nicht näher eingehen, was ich allerdings erwähnen werde, sind ein paar Abschlussworte zu diesen 4 Monaten. Ich will damit keine Gefühle verletzten oder Menschen vor dem Kopf stoßen, ich werde einfach nur ehrlich sein.

Die erste Sache bei der ich ehrlich sein werde ist das ich in den Blogeinträgen über Ghana mich sehr zurück gehalten habe Urteile oder Meinungen abzugeben, so wie man das in den ach so wertvollen Vorbereitungsseminaren lehrt. Die zweite Sache über die ich ehrlich reden werde ist eine zweite Sache die wir auch im Seminar gelehrt haben und der zu meinem und Gromellas sakastischem Leitsatz wurde:

„Die Dinge in Ghana sind nicht schlechter, nur anders“. Dieser Satz ist schlicht und ergreifend falsch. Wenn das Schulsystem in einem Land so aufgebaut ist das man Schülern das lesen nicht nur 1 mal sondern gleich 3 mal in 3 Jahren beibringen muss ist das nicht NUR anders es ist auch schlechter. Wenn ein Krankenhaus in einer sehr touristischen Stadt nicht mal über ein Waschbecken in der Mitarbeitertoilette verfügt, sodass Ärzte und Schwestern sich also den ganzen Tag nicht nur die Hände nicht waschen, dann ist das nicht nur anders sondern auch schlechter! Wenn es als anerkannte Lehrmethode gilt Schulkinder für die nicht gezahlten Schulgebühren in einer Reihe aufzustellen und mit dem Rohstock auf Hände und Achilisversen zu schlagen (fürs zucken gibt es doppelt) dann ist das…dreimal dürft ihr raten …schlechter! Das mag für viele jetzt grausam und rückständig klingen und das ist es auch, aber es ist Realität in diesem Land. Ich habe in meinen eher seltenen Beiträgen wenig über das ghanaische Volk gesprochen den ich wollte nicht intolerant oder gar rassistisch klingen. Allerdings endet die Toleranz wenn eine Mutter einem Kind von nicht mal 4 Jahren eine Wunde mit einem dreckigen Lappen und kochend heißem Wasser reinigt, während die Nachbarin das Kind mit dem Stock schlägt, weil es (man glaube es kaum) dabei weint und bettelt. Die Nachbarin ist gelehrte Lehrerin. Das passiert während die Apotheke keine 15 min zu Fuß entfernt ist, in einer Schule, während der Rest der Familie weiter sein Abendessen genießt. Das ist nicht okay. Das hat nichts mit Kultur, Religion oder mit Not zu tun. Das ist nichts ungewöhnliches in diesem Land. Und nur weil einen das stört und beunruhigt oder sogar den Schlaf raubt, ist man nicht intolerant oder ignorant. Jetzt fragt sich der eine oder andere bestimmt wo fängt Ignoranz und Intoleranz an? Das kann ich euch nicht sagen aber ich kann euch einige Bespiele nennen die definitiv darunter fallen. Als Freiwilliger in ein Land zu kommen und nach genau zwei Tagen eine Aussage zu treffen wie: „Die ghanaischen Frauen sind nur so unfreundlich zu uns, weil ihre Männer uns alle so geil finden“ – das ist Ignoranz in seiner ekelhaften Form oder auch die Aussage nach zwei Monaten in einem Land zu treffen wie: „Ich verbringe keine Zeit mit den Einheimischen, vertrau ihnen nicht, die meisten haben sowieso Würmer oder HIV!“ – das ist Rassismus in seiner wiederwertigsten Form.Was ich nicht verstehe ist,

1. Ihr seid freiwillig hier, keiner hat euch gezwungen ihr hab euch das ausgesucht, warum? Wenn ihr doch eindeutig eher in einen PEDIGA Marsch gehört als in eine Schule in Afrika.
2. Wo sind die ganzen Weltverbesserer und Lebensretter aus meinem Vorbereitungsseminar hin? Die sich nicht von bereit zwei erfahrenen Freiwilligen haben sagen lassen, das man nicht hilft sondern höchstens hilfreich ist (feiner Unterschied). Ich möchte gern wissen ob es vorher abgesprochen war das sich die eine Hälfte zu latenten Ignoranten und die andere zu fast schon unmenschlichen, zufriedenen Afrika Barbies verwandelten? Was ich mit Afrika Barbies meine? Menschen die sich nach 4 Monaten inmer noch dadrüber freuen was für „tolle Menschen man im Tro trifft“. Das können nur sehr wenige Menschen nachvollziehen die noch nie in Afrika waren aber ein Tro ist ein Sammeltaxi (schönst möglicher Begriff dafür). Man stelle sich vor Geruch einer Berliner S-Bahn im Hochsommer + zu kleine und wackelige Teils überhaupt nicht befestigte Sitze + Straßen die im Prinzip nur Schlamgräben aneinander gereiht sind. Dazu kommt merkwürdigerweise in 80% der Fälle Totenstille. Obwohl das ghanaische Volk bei weitem kein stilles ist, ist es in den Tros sehr häufig sehr still. Meist unterhält sich keiner nicht mal wenn man als Paar eingestiegen ist. Die anderen 20% sind lautstarke Diskussionen über seit Jahren festgelegte Fahrtpreise, Rückgeld Zahlungsaufforderung die prinzipiell nur aus geschriebenen Geldbeträgen bestehen, oder schmierige Anmachen, meist ohne ausreichende Englischkenntnisse. Beim 1. mal interessant beim 2. mal amüsant beim 3. mal vielleicht noch aufregend, danach einfach nur noch nervig. Gut, aber vielleicht gehören Gromella und ich einfach zu den Zyniker dieser Welt die sich nicht daran erfreuen können ständig um ihr Rückgeld betrogen, und auf Twi mit anzüglichen Blicken vollgelabbert zu werden. Wie gesagt das sollte nur eine kleine Nachbilanz der letzten 4 Monate werden. Da die Erfahrung damit vorbei ist, ich mich aber entschlossen habe ihn weiter zu führen, wird sich der Weg des Blog etwas verändern: Es wird nun wahrscheinlich etwas persönlicher eher in Richtung Witz und Anstrengung des täglichen Lebens meiner Wenigkeit. Wem das gefällt willkommen wem nich einfach wegklicken ich werd’s überleben;)

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Ersten Tage in Jerusalem 13.09.13

Nachdem es am Abend zuvor noch jede Menge Aufregung um den genauen Ort an dem wir ankommen sollten in Jerusalem ( eine Art amerikanisch israelisches Internat) gibt, da der Taxifahrer gefühlte 5 mal daran vorbei fährt, werden wir in das letzte freie Zimmer gebracht. Wir schlafen alle gemeinsam in einem Zimmer mit Stockbetten. Nachdem wir das Frühstück verschlafen haben, schleppen wir uns in den extra für uns frei geräumten „Seminarraum“ in dem wir die nächsten 5 Tage von der Klimaanlage unterkühlt, und mit der Geschichte Israels und Informationen über unsere Organisation vollgestopft werden. Immer begonnen mit einem so genanten „Warm-up“ in Form von albernem Rumgehampele auf der Rasenfläche vor dem Seminarraum. Obwohl sich unsere Betreuer echt Mühe geben, ist einer der einzigen beiden Höhepunkte des Seminars der Tagesausflug in die Altstadt. Wir fahren am 2. Tag früh morgens los. Eine Gruppe von etwa 25 Deutschen schlendern nach einer etwa 20 minütigen Busfahrt nun die große Hauptstraße entlang, die zum Damaskus Gate führt. Ich bin überwältigt von den alten Gebäuden und den alternativ wirkenden Shops und Cafés, die darin ihre Heimat gefunden haben. Wir kommen nach nicht wenigem Gestarre endlich an der Klagemauer an. Obwohl ich nicht jüdisch bin und für mich eher die im Sonnenlicht glitzernde goldene Kuppel des Felsdoms (viele Leute denken fälschlicherweise die Al Aqsa habe die goldene Kuppel), die hinter der Mauer zu sehn ist, interessant ist, verstehe ich die Bedeutsamkeit dieses Ortes. Die Gläubigen wippen auf und ab in Gebete vertieft und die Gesichter in der Thora vergraben. Wir kriegen von einem Guide eine kleine Geschichtslektion, bei der ich kaum zuhöre und abwesend auf die Kuppel starre. Ich kann es nicht fassen, dass ich wirklich hier bin und diesem heiligen Ort nur wenige Meter vom Gelände der Al Aqsa entfernt. Wir laufen ein paar Treppen und enge Gassen hinauf, um auf die Aussichtsplattform zu gelangen von der man nun auch die Minaretten und die Al Aqsa sieht. Ich heule wie ein Kleinkind bei diesem Anblick, nich das letzte mal an diesem Tag. Der Guide führt uns weiter durch enge Gassen in denen unzählige Händler ihre bunte Ware anpreisen. Wir nehmen eine kleine unscheinbare Treppe, die uns auf die Dächer von Jerusalem führt. Der Ausblick ist atemberaubend. Man sieht so weit, dass die andere Seite des Berges zu sehn ist, mit dem größten Friedhof den ich jemals gesehen hab( Jerusalem ist auf der einen Seite eines Tals gebaut). Wie wir so da stehen sieht man so weit das Auge reicht Kirchtürme, Minarette und die Türme von Synagogen, ist es auf einmal Zeit für das Nachmittagsgebet. Das sagt mir ein kurzes Vibrieren meines Handys durch meine schlaue App. Allerdings ist sie einwenig zu früh, denn eine halbe Minute später ertönt der Gebetsruf eines Muezzins aus weiter Ferne, und dann noch einer direkt neben uns, und dann noch einer hinter uns, und noch einer und noch einer bis die Luft von „Allahu Akbar“ erfühlt ist wie ein zum bersten aufgeblasener Luftballon. Während der Kanon immer weiterläuft, überkommt mich eine solche Freude und Dankbarkeit und die Schönheit dieses Moments, dass ich ich schon wieder losheule. Aber diesmal nicht leide und dezent und leider kriege ich mich auch gar nicht wieder ein, sodass ich mich auf eines der etwas höheren Dächer setzten muss während die restliche Gruppe zur Grabeskirche weiter marschiert. Freundlicherweise bleibt Manon(Betreuerin) mit mir sitzen. Als auch die letzten der Fruppe aus unserem Blickfeld verschwunden sind, dreht sie sich zu mir und sagt:“ Es freut mich zu sehn wie jemandem dieser Anblick so Nahe geht.“ Wir sitzen noch ein paar Minuten dort bis alle Muezzins geendet haben und folgen dann den anderen zur Grabeskirche. Die ist auch wenn wieder für mich als Muslim eher religiös uninteressant (Muslime glauben nicht an die Kreuzigung von Jesus) ein beindruckender Anblick von innen. Der Rest des Tages ist viel laufen und Geschichtsunterricht, dem ich aber diesmal interessiert folge. Abends wollen die Freiwilligen sowie die Betreuer in eine Bar gehen. Ich ziehe Manon zur Seite und sage ihr, dass ich nich stören wolle, aber das für mich nich infrage kommt, und ob sie mir erklären kann wie ich nachhause komme. Z.( der andere Betreuer) bringt mich zur Busstation, die ich im Leben alleine nich gefunden hätte. Wir unterhalten uns sehr nett und als mein Bus dann nach einer halben Stunde endlich kommt, nich ungewöhnlich in Israel, sagt er dem Fahrer Bescheid wo ich aussteigen soll und, dass er mir bitte wie einer geistig Minderbemittelten einen Wink gibt, wenn es soweit ist. Obwohl in mir die Panik aufsteigt, weil ich als Kopftuchträgerin alleine in einem israelischen Bus in dem jüdischen Viertel von Jerusalem sitze, klappt alles gut. Am nächsten Abend erzählt mir Z. im Einzelgespräch, dass er sich wirklich Sorgen um mich gemacht hat. Manon und K. (Unsere Mentorin und erste Ansprechpartnerin im Land ) setzten sich dazu und plötzlich wendet sich das Gespräch meiner Einsatzstelle zu. Rehassim, das Dorf in dem ich arbeiten werde, ist anscheinend ein Orthodoxen Dorf… Als Z.
das hört spricht er auf hebräisch mit K. , die mir übersetzt, dass er mich am liebsten begleiten würde aus Angst, er sagt die haben alle „eine Macke“ . Gut, dass sich schon die Einheimischen vor den Orthodoxen fürchten. Obwohl ich mir nun mehr sorgen mache als vorher, bin ich froh, dass es hier Leute gibt mit denen man sich über solche Dinge unterhalten kann.

Door of No Return

Salam und Hallo, in diesem Beitrag werde ich über das restliche Wochenende reden. Also, Samstagmorgen nach dem Aufstehen und duschen setzten wir uns gemütlich zum Frühstück in das Restaurant des Hotels. Bei Tageslicht sehe ich das es wortwörtlich direkt am Strand ist. Ich gönn mir ein Omelette und wir schießen ein paar Fotos des leckeren Essens und der tollen Aussicht, um bei Facebook anzugeben,( bevor hier Neid aufkommt, ich muss nach dem schreiben, etwa eine Stunde damit verbringen meine Anziehsachen per Hand in kaltem Wasser zu waschen) und erkundigen uns bei dem Besitzer ein netter Deutsch-Türke namens Mr. A ob der Cape Coast Castel, einer der Burgen in der Sklaven vor ihrem Abtransport auf ihre „Verladung“ warteten, zu Fuß zu erreichen ist. Er sagt ja und wir plaudern alle ein wenig. Nachdem wir alle fertig und bereit sind treten wir den Weg der ungefähr 2 Minuten lang ist an. Unsere ständigen Begleiter sind dabei Kinder die nach Geld fragen oder um Wasser bitten und Händler die uns von der Seite anquatschen und Taxi Fahrer die uns von ihren Wagen aus anschreien. Wir bezahlen den Obroni eintritt und beginnen die Tour mit einem Guide, der nach Jahrelangem immer gleichem Text eine Art Zeichensprache entwickelt, sodass er während er Daten und Fakten runter rattert, seine Hände unablässig in Bewegung sind. Er führt uns durch das Museum, und dann in die Kerker der männlichen Sklaven die, wie er erzählt, direkt unter der Kirche der Burg sind. Ich fühle mich beklommen und verunsichert, in dem dunklen mit nur einem hohen vergitterten Fenster versehenen Raum. Von der Hohen Decke bis zu dem, mit einer schwarzen Masse bedeckten, Boden ist nur nackter Stein. Die schwarze Masse, wird uns erklärt, sind die Überreste bzw. Hinterlassenschaften der hier gefangen gehaltenen Sklaven: Blut, Urin, Schweiß, Fäkalien. Der Guide rattert ein paar weitere Fakten Zahlen und Daten runter die ich nur mit einem Ohr höre. Ich fühle mich trotz der Größe des Raumes eingeengt und beklommen. Er führt uns noch in 2 weitere Räume der letztere mit einer Vielzahl Blumenkränze von Besucher und einem Altar. Durch die weitere Führung wurden wir an dem Frauen Kerker, die Militärbaracken, Schlafzimmer des Bürgermeisters etc. Das Ende der Tür stellt die „Door of No Return“ dar. Eine 4 Meter hohe Holztür 2 Meter breit und mit einem unauffälligen kleinen Silberschild darüber. Ich stehe voller Ehrfurcht davor und fühle mich plötzlich wie eine Zeitreisende. Ich sehe vor mir wie dutzende aneinander gekettete Männer die halb-nackt und dreckig gebückt, durch die damals noch viel kleinere Tür gehen. Einzeln und von Wachen geschlagen und getreten. Mein Magen dreht sich um als der Guide sie öffnet und Sonnenlicht bricht wie ein Schlag in den steinernen Gang. Wir treten hindurch. Auf der anderen Seite befindet sich ein Feldvorsprung und dahinter eine Reihe von 3 Dutzend oder mehr Fischerboten mit hunderten von verschiedenen Landesflaggen an Pfählen, aufgerollten Netzten. Kinder spielten am kaum 20 Meter entfernten Strand. Über der anderen Seite der Tür ist ein weiteres kleines Silberschild. Auf diesem Stand allerdings „Door of Return“. Die Bedeutung dieses Schildes erklärt der Guide zwar kurz und bittet uns dann wieder dadurch in die Burg einzutreten, aber er wird nie die Bedeutung verstehen die sie für mich persönlich hat, wird kaum ein Mensch wirklich verstehen können. Nur soviel ich musste mich kurz setzten um meinem Magen zu versichern das wir nicht Achterbahn fuhren. Nach dem Ende der Tour gingen wir zurück ins Hostel und klärten an der Rezeption den Zimmerwechsel zu einem der runden Steinhütten die zwar spärlich eingerichtet aber sehe gemütlich und definitiv Blickdichter waren. Den Rest des Tages verbrachten wir faul am Strand. Während wir quatschend und lachend uns unser Mittagessen wieder in dem Openair Restaurant am Strand genehmigen, überkommt mich ein Gefühl von aufrichtiger Freude. Sonntag fahren wir mit einem, zum VIP Trotro umgebauten, Ford Bus zu unseren jeweiligen umsteige Stationen. Ich bin erst gegen späten Nachmittag, frühen Abend vor meiner Schule/Zuhause. Ich zeige Swa stolz mein mitgebrachtes Zuckerrohr (wird hier als eine Art süßer Snack zerhackt und gekaut), so ist es Tradition, der Reise bring ein kleines Mitbringsel mit. Sie heißt mich mit einem ihrer seltenen Swa-Lächeln und einer Umarmung willkommen.

Der Fahrtweg nach Paradies Liebe

Salam und Hallo, und es geht geschwind weiter mit meinem 3. Wochenende hier in Ghana. Eigentlich hatten Domi und Gromella gedacht das wir mit den anderen freiwilligen zu einem Festival in der Nähe von Domis WG fahren und dort zwei Tage verbringen würden. Nach viel hin und her und mal wieder vollkommen widersprüchlichen Aussagen der verschieden Mentoren die uns von der Organisation zugeteilt wurden, beschlossen wir, dass das dann schon zu stressig war. Wir wollten lieber ein wiedervereinendes Mädchenwochenende machen, ohne die nervigen Freiwilligen, die sich ebenfalls zum Festival angemeldet haben. Cape Coast wurde beschlossen und ich klärte – zwar etwas kurzfristig aber dennoch erfolgreich (nicht das Verlässlichkeit in diesem Land unbedingt eine unabdingbare Tugend war) alles mit dem Gastvater ab. Freitag begleitete mich dann P. zum Straßenrand wo die Sammeltaxis auch TroTros genannt, abfuhren. Nach etwa 20 Minuten nicht erfolgreichem Warten, fuhr der bekannte schwarze Luxus Jeep vor mit dem ich letzten Freitag zur etwas weiter entfernten Moschee zum Freitagsgebet (in der Moschee die sich in meiner Straße befindet, gibt es derzeit kein Freitagsgebet, da der Mann von Binta im Moment auf Pilgerfahrt ist) mit den Söhnen und ihrem Schwager vor. Sie hielten vor uns an, grüßten uns nett und fragten wohin ich gehen müsse? P. schildert ihnen kurz mein Anliegen und ich werde gebeten ins Auto zu steigen. Sie nehmen mich ein ganzes Stück mit und lassen mich an einer Kreuzung raus wo ich mit dem ältesten Sohn zusammen in ein TroTro steige das mich nach Kaneshi bringen soll. Dort habe ich mich mit Domi an der Stelle verabredet wo die Busse nach Cape Coast fahren. Kaneshi ist einer der vielen Umverteilungscentern der Tros, man könnte auch Hauptbahnhof sagen wenn es nicht jede paar Dörfer weiter eins gäbe und sie nicht nur aus einem offenen Platz voller kleiner Busse Taxis und Tros wären, andere Straßenseiten sich einfach der Einfachheit halber Verkäufer niedergelassen haben, die von Kuhhäuten über Schuhpaare die man sich selbst zusammen suchen muss bis hin zu Ohrringen und Batterien und bisher unbekannten Größen – kurz alles was der Mensch nicht braucht, aber trotzdem versucht ist zu kaufen (außer der Kuhhaut die mehr Fliegen anzieht als die Tro-Station Cholera verdächtige Waren anbietet, mit ihrem Aussehen nach einem zusammen gerollten, mit gelben Flaum überzogenen, Stück Reifengummi) – verkauft. Jedenfalls wartete ich dort geduldig eine halbe Stunde, in einer Ecke gedrängt, damit mit bloß niemand anspricht auf Domi. Als ich endlich durch das Gedränge ihr bekanntes Obroni Gesicht erkannte, strahlte ich und wir kämpften uns durch die uns fast anschreienden Fahrer, die alle drei Sekunden fragten wo wir denn hin wollen. Ich wusste aber längst in welchen Bus wir mussten und ließ mich nicht beirren. Wir kauften also die Tickets und saßen uns auf unseren Plätze neben einer äußerst genervten, dicken Frau. Wir fuhren ca. 2 Stunden. Wer sich das jetzt als gemütliche Überlandfahrt in einem klimatisierten Bus vorstellt irrt gewaltig… Zunächst einmal war der große orangene Bus nicht klimatisiert außer durch große offene Fenster, dann hat jeder zweite Fahrgast etwa die Hälfte seines Haushalts auf dem Schoß. Um das ganze abzurunden, steht nach ein paar Minuten Fahrt in denen Domi und ich uns aufgeregt unterhalten und die letzten 3 Wochen Revue passieren lassen, ein Mann in schwarzen Hemd auf und fängt an zum kompletten Bus, der ihm gebannt lauscht, in lauter Stimme zu sprechen. Wir wundern uns beide was das jetzt bitte wieder soll… Und fragen uns ob dieser Mann vorhat die ganze Fahrt zu predigen… Bis die schon reichlich genervte Frau neben uns, uns böse ansieht und auf den Mann zeigt um zu sagen das wir leise sein sollen. Domi und ich sehen sie nur verdattert an. Als meine Sprache wieder einsetzt sage ich ihr, dass wir ihn nicht mal verstehen (meine Twi Kenntnisse sind noch immer begrenzt). Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, ist dieser Mann kein Prediger oder Geistlicher, er verkauft All Zweck Medikamente… Nach 1 Stunde hält er eine kleine Dose, die Domi erst für Viagra hält, in die Höhe. Ich bin außer mir – ist das jetzt zu einer Kaffeefahrt mutiert? Vor allem warum wird mein Gespräch für so ein Quark unterbrochen?? Jedenfalls haben wir nach knapp anderthalb Stunden Verkaufsgebrabbel endlich Ruhe. Und dann ist auch Gromella endlich los gefahren. Wir steigen an der Central Station aus und entschieden aus Grund unseres immensen Hungers nach etwas Restaurant ähnlichem zu suchen. Natürlich werden wir den ganzen Weg die Straße runter von Taxi Fahrern belästigt. In „Blessings“ schlagen wir uns den Magen voll mit Yam und Stew (eine Art Gemüse Sauce) allerdings war das Essen zu scharf und ich konnte es nicht aufessen, unsere Reste bekamen dann anscheinend die Nachbarskinder. Nach dem Gromella erst an der falschen Station ausgestiegen war und dann mit dem Taxi für einen Obroni-Preis zu uns fuhr, mussten wir ebenfalls noch einmal mit dem Taxi zu der Tro Station von Cape Coast. Von dort werden wir von einem dicken Mann, in einem viel zu engen weißen Hemd, in ein einen Van, der sich als Sammle-Taxi nicht unbedingt eignet, gelotst. Die Fahrt dauerte zu Gromellas äußerster Freude noch einmal etwa 2 Stunden. Während der letzten halben Stunde, sah sie etwa jede zweite Minute böse zu ihr rüber, den es war ihre glänzende Idee gewesen zu einem Ort Names Busua Beach zu fahren der angeblich der schönste Strand in Ghana war. Wir wurden als in der Stadt Takoradi rausgelassen in der wir, 3 mal dürft ihr raten, wieder ein anderes Auto nach Busua Beach nehmen sollten. An der Tro Station wurde von Takoradi gesagt das wir gerne in ein Tro nach Agona nehmen können und von dort aus mit einem Taxi nach Busua Beach. Das Problem daran war das man mit einem Tro immer warten musste das alle Plätze belegt werden bevor es losfährt…und die Dämmerung näherte sich bereits (uns wurde gesagt Nachts bzw. im Dunkeln nicht zu reisen). Dementsprechend nervös machte mich die Idee noch einmal im Dunklen umzusteigen relativ nervös. Wir fragten mehrere Taxis ob sie uns direkt nach Busua Beach bringen konnten doch jedes Mal stellte sich heraus, dass keiner den Weg kannte. Gromella musste sich kurz an die Seite stellen und eine rauchen, vor aufkommender Wut. Als sie sich wieder soweit beruhigt hatte das ich mir keine Sorgen mehr machte, das sie Domi eine verpassen würde, schlug sie vor einfach zurück nach Cape Coast zu fahren den dort wären mit Sicherheit Hostels am Strand, während am Busua Beach kein Mensch zu wissen schien wo es überhaupt war. Wir fragten also nach einem Taxi direkt nach Cape Coast und uns wurde einer vorgestellt, er sprach anscheinend kein Englisch da die Hälfte aller Männer dort für ihn übersetzten, ich fragte mich warum ich das bis jetzt hier immer so erlebt hatte. Man kann nicht nur einen Menschen nach Hilfe fragen, die gesamte Umgebung nimmt das als Einladung auf sich einzumischen. Er stand also verwirrt vor uns während eine Horde Männer uns versicherten er kenne Cape Coast… Es war mir schon klar, dass er Cape Coast kennt er ist ja immerhin sein Leben lang in diesem Land aufgewachsen… Ich kenne auch Hamburg, das heißt nicht, dass ich dahin fahren könnte. Ich fragte mehrmals ob er dort ein Hostel kenne, jaja er kenne Cape Coast. Sie logen… Xh frage wie den das Hostel hieß… Keine Antwort die man verstehen konnte. Aber es wurde bald dunkel und wir hatten nicht wirklich die große Auswahl, also stiegen wir wieder willig ein. Gromella völlig am ausrasten innerlich, ich auch schon müde und genervt und Domi die ständig erwähnte das man ihr gesagt hätte es wären nur eine halbe Stunde von Cape Coast. Wir fuhren also durch die Dunkelheit mit unserem einäugigen Taxi Fahrer wieder 2 Stunden durch die Pampa. Auch diese Fahrt war nicht sonderlich entspannt den in Ghana herrscht überall-wo-Platz-ist- Verkehr. Das bedeutet das sinnlose und viel zu langsame Überholmanöver auch in tiefster Dunkelheit (es gab keine Straßenbeleuchtung) nicht ausblieben. Als wir endlich da waren, wurde nahezu jeder Passant nach einem Hostel am Strand befragt… Ich sagte doch das er keins kannte. Wir gelangen letztendlich doch zu einem direkt am Strand was sogar noch ein Zimmer frei hatte. Wir saßen uns an einen Tisch in der Restaurant Bereich umgeben von Obroni von der der Großteil deutsch war und aßen erstmal Abendbrot. Um uns herum tanzten weiße Menschen furchtbar taktlos. Als wir das Zimmer näher ansahen merkten wir das die Wände sozusagen durchsichtig waren. Sie waren einfach aus Mückennetz das mit Bambusstäben verstärkt, jeweils mit 2 Fingerbreite Abstand… Also suchte ich mir ein Bett in der Ecke den es war eine Art Dormroom, und verhing es mit meinem Handtuch, trotz Domis Einwände das man von draußen nicht herein sehen könne. Es war auch nicht so wichtig den draußen war sowieso kaum Betrieb. Nach und nach gingen zwar alle Obronis ins Bett aber wahrscheinlich stark Alkoholisiert und ohne dem Dormroom genau zu inspizieren. Leider war mein Schlaf in dieser Nacht trotz der Erschöpfung, weil ich seit 8 unterwegs war, nicht so ausgiebig wie ich mir gewünscht hätte. Als die Musik die von draußen dröhnte endlich aufgehört hatte (etwa um 4 Uhr morgens) begann der Hund der vor unsere Hütte angeleint war fürchterlich zu jaulen. Aber die Betten waren sauber und der Ventilator funktionierte und so konnte ich doch ein paar Stunden kostbaren Schlaf ergattern.

Happy Sabbath

Hallo und Salam, Morgenstund hat ja angeblich Gold im Mund, daher stehen wir an unserem ersten Samstag in der Gastfamilie um exakt die gleiche Zeit auf wie am Tag zuvor. Anscheinend ist der Schlafrhythmus in Ghana etwas anders. Den obwohl es Samstag ist und halb 7 Uhr morgens bin ich weder müde noch schlecht drauf und außerdem bereits geduscht. Nur mein Haferschleim Frühstück bekomme ich nicht ganz runter gewürgt. Ich bin ein strikter Morgenmuffel und hasse seit meiner Kindergartenzeit alle Formen von Grießbrei, Milchreis oder Frühstücksbrei, schade das das die nächsten 3 Tage genau das zum Frühstück gibt. Ich tue mich sehr schwer damit Kritik an meiner Gastfamilie zu üben den ich bin immer noch der Meinung das es von Undankbarkeit zeugt das Essen zu bemängeln. Trotzdem rede ich morgens mit Eme, meinem Gastvater, über die Zimmer Situation er zeigt mir das Bett für Lund und die Matratze für Swa, die er gekauft hat. Ich frage ihn ob es möglich wäre einen Schrank zu bekommen. Er stapft sofort mit mir und Lund zum Tischler die Straße runter. Nachdem besprochen ist wer was gerne in seinem Schrank möchte (Spiegel, Sicherheitsfach Stange für Kleiderbügel) handelt Eme den Preis etwas runter. Ich merke sofort das er ziemliches Ansehen hier geniest. Die Leute begrüßen ihn mit Respekt und der Tischler protestiert nicht einmal wirklich. Als alle dann endlich fertig geputzt ,geduscht, gebügelt und angezogen sind fahren wir etwa um 9 mit dem Schulbus los zur Kirche. Eme und seine Frau kommen nicht mit, Bauarbeiter beaufsichtigen müssen sie. Dafür mehrere Nachbarskinder die anscheinend auf die Schule gehen deren Eltern aber auch nirgends zu sehen sind. Wir fahren etwa 45 Minuten bis an einer „Kreuzung“ auf der „Straße“ halten, wir laufen ein Stück bergab und stehen dann vor einem halbfertig gestellten Beton Gebäude so wie sie in der Region überall zu finden sind. Unter der Beton Decke sitzen in Plastikstühlen die Kirchgänger bereits in kleinen Grüppchen zusammen. Bibelkreis. Wir werden zu einer der einzigen Englisch Gruppen dazugesetzt und freundlich begrüßt. Uns wird das heutige Thema vorgestellt „Die zweite Erscheinung Jesus'“ und wir bekommen eine Einleitung die wenigstens für mich ziemlich so klang als ob Lund und ich noch nie vorher vom Christentum gehört hätten. Ich halte mich mit meinen kritischen Fragen erstmal dezent zurück um hier niemanden zu verärgern. Nach dem Bibelkreis gibt es etwa 4 Predigten und 3 Lieder bei denen jeweils gestanden wird. Uns wird ein junger Pastor zur Seite gesetzt der uns Bruchteile übersetzt, und immer wieder kommt jemand vorbei um uns zu begrüßen. Es gibt eine Kleine Vorstellung der Pfadfinder der Kirche in der sie Marschieren und Flaggen präsentieren. Nach etwa einer Stunde Predigten auf Twi lehnt sich der Pastor zu mir und sagt das war die Samstagsschule und nun fangen wir mit dem Gottesdienst an… Ich gebe die Nachricht weiter an Lund der mich verzweifelt ansieht. Der Gottesdienst beginnt mit dem Chor der 2 Lieder singt und darauf folgen wieder mehrere Predigten die alle immer mit den Worten „Happy Sabbath“ worauf hin die Gemeinde mit „Happy Day“ antwortet. Gerne auch mehrmals. Es wird aus der Bibel rezitiert, es gibt nach jeder wichtigen Aussage ein „Amen“ von allen und zwischen jeder Predigt wird zum Gebet aufgestanden, und der Kopf geneigt. Nach etwa 3 Stunden kommt Swa zu uns und sagt das wir nun gehen. Wir verlassen das Beton Gebilde und stehen nun davor und warten auf E. die Gastschwester, denn während wir in dem Gottesdienst waren hatten die Kinder weiter Samstagsschule neben an. Nun werden Fotos von den Pfandfindern gemacht und wieder werden wir von etwa 10 Fremden begrüßt und willkommen geheißen. Wieder steigen alle in den Bus und es geht zurück nach Hause. Dort angekommen gibt es Mittagessen. Swa will mich nun mit zur Moschee nehmen den ich habe ihr gesagt das ich gerne arabisch lernen will. Als wir aber dort ankommen geht sie am Fraueneingang vorbei durch eine große Eisentür. Durch diese kommt man in den Hof eines Hauses. Wo uns ein Junge entgegen kommt dem Swa aufträgt seine Mutter zu holen. Nach kurzem warten kommt eine etwas rundliche Frau aus dem Haus und begrüßt uns. Sie ist die Frau des Imams, der im Moment auf Pilgerreise in Mekka ist. Sie Sagt mir das ich mich gerne an dem Unterricht den sie und ihre Tochter(nicht wirklich ihre Tochter sondern mehr ihr Hausmädchen) beteiligen kann. Und das der Lehrer Sonntag nach dem Mittagsgebet hier her kommen würde und wir dann alles weiter klären können. Sie ist sehr freundlich und sagt mir das ich willkommen sei, definitiv nicht das erste mal an diesem Tag, aber es freut mich trotzdem. Nochmal auf die Tochter zurück zu kommen, in Ghana, so wurde uns im Einführungsseminar erklärt, wird ungern Begriffe die den näheren Verwandtschaftsgrad erklären gebraucht also Onkel Cousin etc. Meistens wird nur gesagt das ist meine Schwester mein Bruder. Das macht es natürlich umso schwieriger für einen Außenstehenden zu erkennen wer denn nun eigentlich zur näheren Familie gehört. Abends trau ich mich das erste mal nachzufragen, wer den nun wie zu wem gehört. Also Swa ist die Nichte von Eme und Prinz der im Zimmer mit Lund schläft ist ihr Bruder. King der Busfahrer auch in Lunds Zimmer ist ein Kirchenmitglied und mit niemanden verwandt. Ursprünglich hat die Familie in der Nähe der Kirche gewohnt aber sind dann in den Schulkomplex gezogen der Einfachheit halber. Zu Ako( dem kleinen Mädchen was mit und fern gesehen hat) später mehr.
Nachdem ich alle meine Infos fleißig gesammelt habe frage ich sie ob es unhöflich wäre danach zu fragen. Sie lacht und das tut sie nicht oft aber wenn sie es tut dann aus tiefstem Herzen, und sagt das ich IMMER fragen soll wenn ich etwas nicht verstehe oder wissen will! Ich schlafe an den ersten Abend hier durch.

First Friday

imageHallo und Salam, also das letzte mal habe ich über den ersten spannenden Tag in der Gastfamilie geschrieben. Diesmal geht es um das erste spannende Wochenende. Angefangen mit den Freitag, an dem wir das erste mal richtig vorgestellt wurden in den jeweiligen Klassen. Im Untergeschoss ist die Vorschule mit jeweils 2 Klassenräume für Kindergarten und Pre-School(Vorschule). Wir wurden in jeden Klassenraum mit dem Satz „Good Morning Madam“ begrüßt worauf die Madame(Frau Stern) die Schüler fragte wie es ihnen den gehe. Im Chor wird dann „We are fine thank you, and you?“ Zurück kam. Jedes mal. Von Kindergarten bis 5. Klasse. Dann wurden wir vorgestellt und die Kinder wurden davor gewarnt uns Obroni zu nennen, den wir hätten ja beide Namen. In den älteren Klassen fügte sich noch hinzu das wir sie sonst auch Das ghanaische Wort für schwarz(ist mir entfallen) nennen würden. Darauf immer Gelächter, als ob das dass lächerlichste sei was sie je gehört hätten…nee is klar… Dann wurde uns gesagt das wir ab Montag bereits anfangen würden zu unterrichten und welche Fächer wir könnte. An dieser Stelle möchte ich erklären das in Ghana Grundschullehrer lediglich die Senior High School(also die Oberschule) beendet haben müssen. Die Lehrer sind also überwiegend in meinem Alter(20) und sogar jünger. Im Hinblick auf diese Info kann man sich vorstellen wie lächerlich ich mir vorkam gefragt zu werden was ich den könne. Mal abgesehen davon das in der Grundschule das Klassenlehrersystem besteht, sprich ein Lehrer unterrichtet alle Fächer in einer Klasse. Nun gut ich suche mir also einfach die Fächer aus die mich interessieren; die da wären English, Mathe, Science und R.M.E. Das steht für Religious and Moral Education. Also im Prinzip Ethik und Religion. In diesem Fach wird über das Christentum welches in Ghana 70% der Bevölkerung als ihre Religion sieht den Islam vertreten in 25% der Bevölkerung und die Traditionellen Religionen welche den Rest ausmachen.
Nachdem die Schule beendet ist, und wir die ganze Zeit damit verbracht haben in verschieden Klassen zu sitzen und uns Notizen über Lehrmethoden zu machen will Frau Stern mir die Moschee gleich um die Ecke zeigen. Sie führt mich und Lund, der gerne mitkommen möchte und vorher noch nie in eine Moschee war, die Hauptstraße runter. Als wir nach 1 min. Ankommen begrüßt mich ein Mann der sich als Abbas Mohammad( die Schiiten die das lesen werden meine freudige Hoffnung verstehen) vorstellt, und fragt mich ob ich bereits meine Gebetswaschung habe. Ich bejahe das worauf hin er mir den Frauen Eingang der Kleinen Grünen Moschee zeigt. Innen ist der Frauenbereich ordentlich abgetrennt und auf dem Boden liegen dünne, farbige Strohmatten. Ich kann von hinten die Uhr erkennen und einen Plan für Samstag und Sonntag auf dem Qur‘an und Arabisch Lehrstunden von 8-12 Uhr eingezeichnet sind. Nix in dieser Moschee lässt mich denken das es eine Schiitische ist, aber ich bin trotzdem sehr froh das mich morgens ihr Gebetsruf weckt und ich Freitags keine 2 Minuten hier herlaufen kann zum Gemeinschaftsgebet. Kurz nachdem wir angekommen sind beginnt die zeit für das Abendgebet welches ich mit mache. Im 2ten von 3 Gebetsabschnitten kommt plötzlich ein kleines Mädchen und stellt sich neben mich, verschränkt die Arme und beginnt ihr Gebet(eindeutig sunnitische Muslime). Als das Gebet beendet ist verlasse ich die Moschee ziehe meine Schuhe wieder an und treffe Lund, der schon auf mich gewartet hat. Es ist bereits dunkel also laufen wir schnell wieder nachhause. Abends sitzen wir gemütlich mit der Familie und 2 kleineren Kindern Dede und File, die zwar nicht hier wohnen aber zu dem Zeitpunkt waren mir die Familienverhältnisse noch genauso ein Rätsel wie am Tag zuvor.